In unserer Praxis für Zahnmedizin und Kieferorthopädie in Klagenfurt sehen wir täglich ganz unterschiedliche Zahn- und Kieferstellungen. Manche fallen sofort auf, andere zeigen sich erst beim Zubeißen. Doch welche Arten gibt es, woran erkennt man sie und ist immer eine Behandlung notwendig? Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Formen und erklären, wann eine zahnärztliche Abklärung sinnvoll sein kann.
Was ist eine Zahnfehlstellung?
Eine Zahnfehlstellung liegt vor, wenn einzelne oder mehrere Zähne von ihrer regulären Position im Zahnbogen abweichen oder Ober- und Unterkiefer beim Zubeißen nicht richtig aufeinandertreffen. Davon können einzelne Zähne, ganze Zahngruppen oder das Verhältnis zwischen Ober- und Unterkiefer betroffen sein. (Quelle: Österreichisches Gesundheitsportal)
Welche Arten gibt es?
Während bei einem Engstand zu wenig Platz für die Zähne vorhanden ist, treffen beispielsweise bei einem offenen Biss die oberen und unteren Zähne nicht vollständig aufeinander.
Wir erklären Ihnen die bekanntesten Formen im Überblick.
Welche Arten von Zahnfehlstellungen gibt es?
Die häufigsten Formen im Überblick mit einer KI-gestützten und von Dr. Jörg Hannesschläger fachlich geprüften schematischen Darstellung verschiedener Zahn- und Bissstellungen:
Kreuzbiss
Ober- und Unterkieferzähne treffen beim Zubeißen in einem oder mehreren Bereichen in einer abweichenden Stellung aufeinander.
Offener Biss
Zwischen bestimmten oberen und unteren Zähnen bleibt beim Zubeißen ein Abstand.
Tiefbiss
Die oberen Schneidezähne überdecken die unteren Frontzähne stärker als üblich.
Unterbiss / Progenie
Die unteren Frontzähne stehen beim Zubeißen vor den oberen Frontzähnen.
Überbiss
Die oberen Frontzähne stehen deutlich weiter vor den unteren Frontzähnen.
Engstand
Im Kiefer ist nicht ausreichend Platz vorhanden, sodass Zähne beispielsweise gedreht oder verschachtelt stehen können.
Lückenstand
Zwischen einzelnen oder mehreren Zähnen bestehen größere Abstände.
Wichtig zu wissen
Zahnfehlstellungen können unterschiedlich ausgeprägt sein. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Situation und möglichen Beschwerden ab. Eine persönliche zahnärztliche Abklärung schafft Klarheit.
Kreuzbiss
Ein Kreuzbiss kann einzelne Frontzähne oder den Seitenzahnbereich betreffen und ein- oder beidseitig auftreten. Bei einem seitlichen Kreuzbiss beißen die oberen Seitenzähne weiter innen als die unteren.
Offener Biss
Bei einem offenen Biss bleibt beim Zubeißen zwischen bestimmten oberen und unteren Zähnen ein Abstand. Je nachdem, wo dieser Abstand besteht, wird beispielsweise zwischen einem frontal und einem seitlich offenen Biss unterschieden.

Tiefbiss
Bei einem Tiefbiss überdecken die oberen Schneidezähne die unteren Frontzähne stärker als üblich. Je nach Ausprägung können die unteren Schneidezähne beim Zubeißen bis an den Gaumen reichen.
Unterbiss / Progenie
Bei einem Unterbiss stehen die unteren Frontzähne beim Zubeißen vor den oberen Frontzähnen. Je nach Ursache können dabei die Zahnstellung, die Lage der Kiefer zueinander oder beide Faktoren eine Rolle spielen.

Überbiss
Bei einem Überbiss stehen die oberen Frontzähne deutlich weiter vor den unteren Frontzähnen. Die Ausprägung kann von einer leichten Abweichung bis zu einer deutlich sichtbaren Frontzahnstufe reichen.
Engstand
Bei einem Engstand haben die Zähne im Kiefer nicht ausreichend Platz und können dadurch gedreht, verschachtelt oder außerhalb der regulären Zahnreihe stehen.
Lückenstand
Bei einem Lückenstand bestehen größere Abstände zwischen einzelnen oder mehreren Zähnen. Dafür kann es unterschiedliche Ursachen geben, beispielsweise das Verhältnis zwischen Zahn- und Kiefergröße oder fehlende Zähne.

Woran erkennt man Probleme mit der Zahnstellung?
Manche Veränderungen fallen beim Blick in den Spiegel sofort auf: Zähne stehen gedreht oder übereinander, zwischen ihnen bestehen größere Lücken oder die Frontzähne stehen deutlich vor. Andere Auffälligkeiten erkennt man erst beim Zubeißen.
Treffen Ober- und Unterkiefer nicht passend aufeinander, kann das je nach Ausprägung beispielsweise das Abbeißen oder Kauen erschweren. Ob daraus tatsächlich ein Behandlungsbedarf entsteht, lässt sich allein anhand des Aussehens jedoch nicht beurteilen.
Wie entstehen sie?
Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein und häufig spielen mehrere Faktoren zusammen. Dazu zählen unter anderem genetische Voraussetzungen sowie die individuelle Entwicklung von Zähnen und Kiefer.
Auch fehlende oder überzählige Zähne, ein ungewöhnlicher Zahndurchbruch oder ein Missverhältnis zwischen Zahngröße und verfügbarem Platz können die spätere Stellung beeinflussen.
Bei Kindern können ebenso äußere Einflüsse die Entwicklung beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise langes Daumen- oder Fingerlutschen und eine längerfristige Schnullernutzung. Beides kann einen offenen Biss begünstigen. Aber auch wenn die Zunge in der Ruhelage gegen die Zähne schiebt oder das Schluckmuster auffällig ist, kann der Biss beeinflusst werden. Auch ein frühzeitiger Verlust von Milchzähnen kann zu Platzproblemen für nachfolgende bleibende Zähne führen.
Ist eine Behandlung immer notwendig?
Nein. Nicht jede Abweichung von einer geraden Zahnstellung muss automatisch behandelt werden. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Art und Ausprägung, möglichen funktionellen Auswirkungen, dem Alter und den individuellen Wünschen ab. (Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften)
Nicht immer stehen Beschwerden im Vordergrund. Manche Menschen stört ein gedrehter Frontzahn, eine sichtbare Lücke oder die Stellung der Schneidezähne vor allem optisch.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Welche Behandlung infrage kommt, richtet sich nach dem individuellen Befund. Entscheidend sind unter anderem die Art und Ausprägung, das Alter und bei jüngeren Patientinnen und Patienten auch die weitere Entwicklung.
Je nach Ausgangssituation stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Dazu können festsitzende oder herausnehmbare Behandlungsmethoden und in einzelnen Fällen auch eine ergänzende Zahnextraktion gehören. Welche davon geeignet ist, kann erst nach einer Untersuchung und Behandlungsplanung beurteilt werden. In unserer Praxis arbeiten wir bei vielen Befunden mit transparenten, herausnehmbaren Zahnschienen. Ob diese oder eine andere Methode infrage kommt, entscheiden wir nach der Untersuchung.
Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen befinden sich Zähne und Kiefer noch in der Entwicklung (Quelle: DGKFO/DGZMK S3-Leitlinie und S2k-Leitlinie). Deshalb kann es bei bestimmten Fehlbissen sinnvoll sein, die Entwicklung bereits frühzeitig zu beobachten oder kieferorthopädisch zu begleiten. Bei Kindern bedeutet eine frühe Abklärung nicht automatisch einen frühen Behandlungsbeginn. Je nach Befund kann es sinnvoller sein, zunächst Zahnwechsel und Wachstum zu beobachten und in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.
Gibt es ein „zu spät“ für eine Korrektur?
Ein bestimmtes Höchstalter für Zahnveränderungen gibt es nicht. In unsere Praxis kommen viele Erwachsene mit dem Wunsch, ihr Lächeln zu verändern. Da das Kieferwachstum aber bereits abgeschlossen ist, stehen bei Erwachsenen häufig andere ästhetische Behandlungsziele im Fokus. Doch eine Veränderung des Lächelns ist nicht immer mit einer Zahnkorrektur verbunden. Aus diesem Grund ist uns das persönliche Beratungsgespräch sehr wichtig (Quelle British Orthodontic Society). Nicht immer ist das, was Patientinnen und Patienten optisch stört, auch medizinisch behandlungsbedürftig. Deshalb schauen wir uns zuerst den Biss und die Ausgangssituation an und besprechen anschließend die persönlichen Wünsche.
Wann ist eine zahnärztliche Abklärung sinnvoll?
Eine Abklärung kann sinnvoll sein, wenn Zähne deutlich gedreht oder verschoben stehen, wenig Platz im Kiefer vorhanden ist, größere Lücken bestehen oder Ober- und Unterkiefer beim Zubeißen auffällig aufeinandertreffen. Auch Probleme beim Abbeißen oder Kauen können ein Grund sein, die Zahn- und Kieferstellung untersuchen zu lassen. Viele Patientinnen und Patienten kommen aber auch zu uns, weil sie mit ihrer Zahnstellung schon länger unzufrieden sind und sich eine ästhetische Veränderung ihres Lächelns wünschen – auch ohne konkrete Beschwerden.
Häufige Fragen
Sind schiefe Zähne immer behandlungsbedürftig?
Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt nicht allein davon ab, ob Zähne sichtbar schief stehen. Entscheidend sind mögliche funktionelle Auswirkungen und die persönlichen Wünsche der Patientinnen und Patienten.
Können auch Erwachsene ihre Zähne korrigieren lassen?
Ja, Zahnbewegungen sind grundsätzlich auch bei Erwachsenen möglich.
Wann sollte die Zahnstellung bei Kindern kontrolliert werden?
Bei sichtbaren Auffälligkeiten oder Problemen beim Zubeißen ist eine frühzeitige Beurteilung sinnvoll. Ob bereits behandelt oder die weitere Entwicklung zunächst beobachtet wird, hängt vom jeweiligen Befund und Entwicklungsstand ab.
Sie möchten Ihre Zahnstellung abklären lassen?
Sie stört ein schiefer Zahn, eine Lücke oder Ihr Biss – oder Sie möchten einfach wissen, welche Möglichkeiten es für Ihr Lächeln gibt? In einem persönlichen Beratungsgespräch in unserer Praxis in Klagenfurt sehen wir uns Ihre Ausgangssituation an und besprechen, was medizinisch sinnvoll ist und zu Ihren Wünschen passt.
Quellen:
Österreichisches Gesundheitsportal: Zahn- und Kieferfehlstellungen: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/zaehne/zahnbehandlungen/zahnfehlstellungen.html
British Orthodontic Society: Informationen zur kieferorthopädischen Behandlung bei Erwachsenen: https://bos.org.uk/patients/treatments/faqs
DGKFO/DGZMK: S3-Leitlinie „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“
DGKFO/DGZMK: S2k-Leitlinie „Ideale Zeitpunkte und Maßnahmen der kieferorthopädischen Diagnostik“
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: https://register.awmf.org/assets/guidelines/083-038l_S3_Ideale-Behandlungszeitpunkte-kieferorthopaedischer-Anomalien_2022-01_01.pdf





